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Akute myeloische Leukämie (AML)

Professor Aulitzky, Chefarzt der Onkologie und der Hämatologie des Robert-Bosch-Krankenhauses, einem großen Comprehensive Cancer Center in Stuttgart, spricht im folgenden Video über akute Leukämien.

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Was bedeutet akute Leukämie?

Akute Leukämien heißen akut, weil sie gefährlich sind. Sie sind unmittelbar bedrohlich, da das Knochenmark meist schon am Beginn der Erkrankung nicht mehr gut funktioniert.

Daher treten die Beschwerden, die das Fehlen der Knochenmarksfunktion verursachen, sofort auf. Diese Probleme können lebensbedrohend sein, wenn die Blutkörperchen, die ein normales Leben ermöglichen, komplett oder weitgehend fehlen.

Ist noch Zeit für eine Zweitmeinung?

Es gibt Situationen, in denen eine Verzögerung der Therapie um 1 bis 2 Tage das Risiko zu sterben steigert. Und bei diesen Situationen ist das Einholen einer Zweitmeinung telefonisch immer noch möglich. Man kann immer Daten austauschen, aber wenn es zu einer wesentlichen Verzögerung der Einleitung wichtiger Maßnahmen führt, ist es nicht sinnvoll.

Wenn die Knochenmarksleistung noch halbwegs gut ist, oder so, dass man damit leben kann, hat man durchaus die Zeit, eine Zweitmeinung einzuholen. Das muss mit dem betreuenden Arzt besprochen werden.

Ist eine akute myeloische Leukämie heilbar?

Die akute myeloische Leukämie ist bei einem guten Teil der Patienten heilbar. Allerdings ist eine Heilung nur durch intensive Therapien zu erzielen. Die Heilbarkeit setzt voraus, dass der Mensch in einem Zustand ist, in dem diese intensiven Therapien zumutbar sind. Daher ist die Heilbarkeit bei sehr betagten Menschen nicht gegeben. Bei jungen Menschen können ca. 60% geheilt werden.

Wer ist betroffen?

Es betrifft tatsächlich mehr betagte als junge Menschen. Die akute myeloische Leukämie nimmt kontinuierlich zu, in der Häufigkeit mit zunehmendem Lebensalter. Daher ist der überwiegende Teil der Patienten mit akuter myeloischer Leukämie fortgeschrittenen Lebensalters. Und daher ist die Bewertung des allgemeinen körperlichen Zustandes für die Planung der Therapie von besonderer Bedeutung.

Mit welchen Symptomen kommen die Patienten zum Arzt?

Die Symptome sind meistens darauf zurückzuführen, dass bestimmte Blutkörperchen fehlen. Wenn rote Blutkörperchen fehlen, wirkt sich das in einer Verminderung der körperlichen Leistungsfähigkeit aus. Ein Mensch, der bisher locker in den dritten Stock gelaufen ist, muss plötzlich im ersten Stock stehenbleiben, weil er keine Luft mehr bekommt.

Abbildung eines roten Blutkörperchens - Erythrozyt

Die Symptome entwickeln sich meist nicht von einem Tag auf den anderen, weil ein direkter linearer Zusammenhang zwischen Menge an roten Blutkörperchen und Leistungsfähigkeit besteht.

Bei weißen Blutkörperchen führt der Mangel zu einer Abwehrschwäche. Der wirkt sich aber nicht linear aus. Man hat wenig weiße Blutkörperchen und irgendwann kommt ein Infekt, der nicht mehr weggeht. Das kann relativ harmlos beginnen. Zum Beispiel mit einem Infekt der oberen Atemwege, normaler Husten und Schnupfen, der bleibt. Im Blutbild sieht man, dass die Blutwerte weit außerhalb der Norm sind.

Bild eines weißen Blutkörperchens - Leukozyt

Die Blutplättchen wirken sich bei einem Mangel ebenfalls erst ab einer bestimmten Schwelle aus. Man kann eine relativ niedrige Anzahl haben, ohne etwas zu bemerken. Häufig wird wegen Kopfweh Aspirin genommen und damit die Blutstillung zusätzlich kompromittiert und plötzlich bekommt man eine Menge blauer Flecken.

Bild von Blutplättchen - Thrombozyten

Diese drei Symptome sind die häufigsten Beschwerden, mit denen Patienten zum Arzt gehen und üblicherweise sind Patienten sehr überrascht, dass sie vor einer katastrophalen oder schwerwiegenden Situation stehen. Die akuten Leukämien gehören zu den Erkrankungen, bei denen die Menschen von einem Tag auf den anderen aus dem Leben rausgerissen werden können und plötzlich Konsequenzen ziehen müssen, die sie sich nie haben träumen lassen.

Was bedeutet myeloisch?

Myeloisch stellt den Gegensatz zu lymphatisch dar. Myeloisch bedeutet aus dem Knochenmark stammend, während lymphatisch aus dem Lymphsystem stammend bedeutet.

Die myeloischen Zellen des Knochenmarks sind jene Zellen, die zur Ausbildung von Fresszellen, von roten Blutkörperchen und von Blutplättchen führen, während die lymphatischen Zellen sich aus dem Knochenmark zwar ebenso entwickeln, aber dann in dem lymphatischen Gewebe wie Lymphknoten, Milz und zum Teil Knochenmark auswandern.

Bild auf dem erklärt wird, was myeloisch bedeutet

Welche Zellen entarten? Und was wäre eigentlich deren richtiger Job gewesen?

Myeloische Zellen reifen normalerweise aus zu sogenannten Granulozyten und Granulozyten sind die Zellen, die uns vor Bakterien beschützen. Die patrouillieren entlang der Gefäßwände. Und wo immer ein Bakterium durchschaut, fressen sie dieses auf. Daher sind sie für die Abwehr von schweren Infektionen die mit Abstand wichtigste Zellsorte.

Was ist die Ursache einer akuten Leukämie?

Die zwei Hauptursachen sind unsere Natur und der Zufall. Alle Zellen bei uns können bei der Weitergabe von genetischen Informationen bei der Zellteilung von der Mutter- auf die Tochterzelle Fehler machen. Wenn in einer Zelle Fehler entstehen, die sie bösartig verändert, entstehen die Erkrankungen.

Bei den akuten lymphatischen Leukämien sind solche Genveränderungen die Hauptursache. Diese Genveränderungen entstehen nicht direkt durch bestimmte Ereignisse bei den meisten Patienten. Trotzdem können Menschen, die eine hohe Exposition mit Gengiften oder Bestrahlung etc. hatten, eine etwas größere Häufigkeit haben.

Bei den meisten Menschen kennt man aber kein auslösendes Ereignis, das die Erkrankung verursacht.

Können Kinder von Betroffenen auch erkranken? Gibt es einen genetischen Hintergrund?

Man muss bei Genetik immer ein bisschen aufpassen, wovon man redet. Genetische Veränderungen bei diesen Erkrankungen sind Genveränderung, die sich auf die Leukämiezelle beschränken.

Wenn Menschen von Genetik reden, meinen sie meistens Vererbung. Genetik hat mit Vererbung nur dann was zu tun, wenn die genetischen Veränderungen in den Eizellen oder in den Samenzellen sind. Wenn genetische Veränderungen in den Blutzellen sind, hat das mit Vererbung normalerweise nichts zu tun.

Daher gibt es Situationen, bei denen das Risiko für die Kinder etwas erhöht ist. Aber bei den meisten Patienten spielt es keine Rolle.

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