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Wie funktioniert eine Chemotherapie?
Teil 1: Definition und Durchführung

Die allermeisten Krebspatienten werden im Laufe ihrer Behandlung auch eine Chemotherapie erhalten. Deshalb haben wir drei kurze Episoden zum Thema Chemotherapie gemacht, in denen wir die wichtigsten Punkte erklären.

Im ersten Teil geht es darum wie eine Chemotherapie funktioniert und die Begriffe Behandlungsplan, Chemoschema und Zyklen werden erklärt.

(Lesedauer: 7 Minuten)

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Was ist eine Chemotherapie?

Chemotherapie ist ein etwas merkwürdiger Ausdruck! Er bedeutet, dass es sich um eine Therapie mit Medikamenten handelt. Dies steht im Gegensatz bzw Ergänzung zu der Operation oder Bestrahlung, die oftmals auch bei der Therapie von soliden Tumoren eingesetzt werden. Also bei solchen Krebserkrankungen, bei denen irgendwo im Körper ein Knoten ist. Leider hat die Chemotherapie keinen allzu guten Ruf. Viele Menschen denken dabei in erster Linie an die berüchtigten Nebenwirkungen, wie man sie aus Filmen und den Medien kennt… Es sei aber so viel verraten: Der Ruf der Chemotherapie ist schlechter als er gerechtfertigt ist.

Warum ist die Chemotherapie so wichtig?

Kann man sie nicht einfach weglassen? Nein! Leider oftmals nicht! Wie wir in unserer Folge „Was ist Krebs?“ beschrieben haben, ist Krebs deshalb so gefährlich, weil diese Krankheit nicht an einem Ort im Körper bleibt. Manche Krebserkrankungen, wie die Leukämie, sind schon von Anfang an überall im Körper. Man nennt das „systemisch“. Bei anderen Krebserkrankungen ist oftmals zunächst nur ein Tumor oder Knoten da. Aber die große Gefahr besteht, dass sich später Metastasen, bzw. Tochtergeschwulste bilden. Denn das gefährliche an Krebszellen ist, dass sie mit dem Blutstrom oder der Lymphe mitgetragen werden und dann auch einem ihnen ganz fremden Ort angehen und wachsen können.

Bild vom Abdomen wo ein Tumor wachsen kann

Deswegen ist die Chemotherapie so gut und nützlich! Denn die Medikamente, die wir da in den Blutstrom geben, kommen eben auch überall da hin, wo die Krebszellen hinkommen! Bzw. fast überall hin.

Was genau macht die Chemotherapie?

Krebszellen sind solche, die ständig wachsen, sich viel zu oft und viel zu schnell teilen. Und das immer und immer wieder. Genau hier greift die Chemotherapie an!

Bild von Spenderzentrum

Die Medikamente der Chemotherapie greifen das Erbmaterial der Krebszellen an und stören deren Zellteilung. Die so geschwächten Zellen verlieren die Fähigkeit sich zu vermehren und sterben ab.

Deshalb nennt man diese Medikamente auch „Zytostatika“. Das heißt so viel wie Zell-Stopper. Leider stoppen die Zytostatika nicht nur die Krebszellen, sondern in gewissen Maßen auch solche gesunde Zellen, die sich ebenso schnell teilen. Dazu gehören z.B. die Zellen der Haut, der Schleimhäute und der Haarwurzeln. Aber auch die Zellen des Blutes und des Immunsystems teilen sich sehr häufig. Dies ist Grund für die berüchtigten Nebenwirkungen.

Da die Krebszellen entartet sind, also auch in gewissem Maße defekt sind, erholen sie sich viel schlechter von den Zytostatika, als es die gesunden Zellen tun. Während die gesunden Zellen sich nach einer Weile wieder erholen, sterben die Krebszellen hoffentlich ein für alle Mal ab.

Der Behandlungsplan

Eine Krebstherapie ist immer wie ein Projekt. Mal wie ein kleines Projekt, mal wie ein großes und hochkomplexes Projekt. Oder anders gesagt: Mal so, als ob Sie nur eine Garage für ein Auto anbauen wollen, oder mal so, als ob Sie ein städtisches Hallenbad bauen wollen.

Als erstes muss der Weg zum Ziel Ihrer Therapie klar sein. Ziel ist die angestrebte Heilung. Dann werden Ihre behandelnden Ärzte einen Behandlungsplan entwickeln. Der umfasst alle Elemente der Therapie. Also neben der Chemo auch die Operation und die Bestrahlung, falls diese vorgesehen sind.

Vielleicht würden Sie erwarten, dass ein solcher Behandlungsplan straff durchorganisiert ist und vom ersten bis zum letzten Tag der Therapie alles glasklar ist, was wann, wie und wo stattfindet. Das kann natürlich so ablaufen aber im Allgemeinen ist das nicht der Fall. Sie müssen bedenken, dass Ihre Krebserkrankung einmalig ist! Denn „Krebs“ ist nicht eine Krankheit, sondern nur ein Sammelbegriff. Aber selbst wenn man glaubt, dass die Diagnose „Akute Lymphatische Leukämie“ oder „Lungenkrebs“ doch eindeutig ist, so muss man feststellen, dass auch diese Bezeichnungen nur Oberbegriffe sind und die Krankheiten viele unterschiedliche Subtypen haben.

HLA Perso

Dann kommt aber noch hinzu, wie und ob die Krankheit sich schon ausgebreitet hat. Und vor allem sind Ihr Körper, Ihre Gesundheit, Ihre Vorerkrankungen wirklich einzigartig.

Den Behandlungsplan muss man sich ungefähr vorstellen wie die Planung einer Familien-Wanderung in den Bergen. Ja, natürlich haben wir inzwischen sehr gute Karten für fast alle Bergrouten. Aber wenn wir dann da sind, liegt ein Stamm quer über dem Weg und die Oma kann da nicht drüber klettern. Bei der Hütte ist die Apfelschorle aus und wir müssen bis zum nächsten Bauern, der was zu Trinken für die Kinder verkauft. Oder es zieht ein Gewitter auf und man muss umplanen.

Auch bei einer Krebstherapie muss man oftmals in der konkreten Situation entscheiden, wie es am besten weiter geht. Das ist normal und sollte Sie nicht unnötig beunruhigen. Aber es ist immer gut, sich das neue oder leicht abgeänderte Vorgehen genau erklären zu lassen. Schließlich wollen Sie ja wissen was Sache ist!

Die Planung der Chemotherapie beinhaltet noch zwei weitere wichtige Begriffe: Schema und Zyklus.

Das Schema der Chemotherapie

Mit Schema meint man eine definierte Kombination von Zytostatika, die für bestimmte Krebserkrankungen eingesetzt werden. Wobei in dem Begriff „Schema“ auch die Darreichungsform gemeint ist. Also in welchem zeitlichen Abstand welche Zytostatika wie verabreicht werden.

Meistens geben die ersten Buchstaben der Medikamente den Namen für das Schema. So z.B. beim ABVD-Schema, was A=Adriamycin, B=Bleomycin, V=Vinblastin und D=Dacarbazin meint. Dieses Schema wird z.B. bei den Hodgkin-Lymphomen verwendet.

Der Vorteil eines Schemas (Wirkstoffkombination) ist, dass mehrere unterschiedliche Medikamente die Krebszellen auf unterschiedliche Weise angreifen! So sind sie in Summe natürlich viel wirksamer! Zum anderen schaut man darauf, dass die Nebenwirkungen sich nicht in einem Organ summieren. So kriegen die Krebszellen zwar die volle Ladung ab, aber der Körper wird so gut wie möglich geschützt.

Umkehrisolation

Die Zyklen einer Chemotherapie

Diese Zytostatika Kombination wird in sogenannten Zyklen verabreicht. Man muss z.B. sechs Mal hintereinander im Abstand von 3 Wochen in die Klinik, um diese Medikamente zu bekommen. Das sind dann sechs Zyklen.

Da die Zytostatika die Zellteilung stören, ist es natürlich wichtig, die Krebszellen genau dann zu erwischen, wenn sie sich gerade teilen. Das tun sie natürlich nicht immer alle gleichzeitig. Deshalb sind mehrere Zyklen so wichtig. Auch muss sich der Körper von den starken Medikamenten zwischendurch erholen, wobei die Medikamente natürlich genau so optimiert wurden, dass die Krebszellen sich zwischenzeitlich nicht ebenso schnell erholen können. So werden nach jedem Zyklus immer weniger Krebszellen gemessen. Entweder weniger Krebszellen im Blut bei einer Leukämie oder der Tumor wird Schritt für Schritt immer kleiner.

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