Banner It is(n`t) in my blood

CAR-T-Zelltherapie und bispezifische Antikörper beim Multiplen Myelom: Ablauf, Nebenwirkungen und Leben mit der Therapie

Mit der CAR-T-Zelltherapie und den bispezifischen Antikörpern stehen beim Multiplen Myelom neue Immuntherapien zur Verfügung. Sie unterscheiden sich in ihrer Wirkweise deutlich von vielen älteren Behandlungen. Während beispielsweise eine klassische Chemotherapie mit Substanzen arbeitet, die Myelomzellen direkt schädigen sollen, nutzen die neuen Immuntherapien das körpereigene Abwehrsystem, um gegen die Erkrankung vorzugehen. Die Unterschiede erklärt Privatdozentin Dr. Giesen, Oberärztin der Hämatologie und Onkologie am Robert Bosch Krankenhaus in Stuttgart.

CAR-T-Zelltherapie und bispezifische Antikörper verfolgen ein ähnliches therapeutisches Prinzip, unterscheiden sich jedoch deutlich im Ablauf. Die CAR-T-Zelltherapie ist eine individuell für den einzelnen Patienten hergestellte Behandlung und wird einmalig verabreicht. Bispezifische Antikörper stehen dagegen als fertige Medikamente zur Verfügung und werden über einen längeren Zeitraum wiederholt gegeben.

Keine Lust zu lesen? Hier sind alternative Medien:

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Weitere Informationen

Warum Immuntherapien andere Nebenwirkungen verursachen

Bei einer klassischen Chemotherapie werden Wirkstoffe eingesetzt, die Myelomzellen schädigen und abtöten sollen. Gleichzeitig können auch gesunde Körperzellen beeinträchtigt werden. Dadurch können unter anderem Übelkeit oder Haarausfall entstehen.

Bei CAR-T-Zellen und bispezifischen Antikörpern funktioniert die Behandlung anders. Hier wird das Immunsystem gezielt aktiviert und gegen die Myelomzellen gerichtet. Die eigentliche Wirkung wird also durch die Abwehrzellen des Patienten vermittelt.

Diese starke Aktivierung des Immunsystems kann wiederum eigene Nebenwirkungen hervorrufen. Besonders typisch ist Fieber. Für den Körper kann sich die Immunreaktion ähnlich anfühlen wie die Abwehr einer schweren Infektion.

Der sogenannte Zytokinsturm

Aktivierte Abwehrzellen kommunizieren untereinander mithilfe bestimmter Botenstoffe, den sogenannten Zytokinen. Bei den neuen Immuntherapien sind diese Abwehrzellen besonders aktiv, weil sie gegen die Myelomzellen vorgehen sollen.

Dadurch können im Körper ähnliche Reaktionen entstehen wie bei einer schweren Infektion. Typisch ist vor allem Fieber. Außerdem können sich die Blutgefäße erweitern und der Blutdruck absinken, der sogenannte „Zytokinsturm“.

Eine solche Reaktion tritt sowohl nach einer CAR-T-Zelltherapie als auch während der Anfangsphase einer Behandlung mit bispezifischen Antikörpern häufig auf. In den meisten Fällen lässt sie sich jedoch gut kontrollieren.

Zur Behandlung können zunächst fiebersenkende Medikamente eingesetzt werden. Reicht das nicht aus, stehen weitere Medikamente, die man zum Beispiel aus der Rheumatologie kennt, zur Verfügung, mit denen eine überschießende Immunreaktion gezielt gebremst werden kann. Das Immunsystem soll weiterhin gegen das Myelom wirken, aber nicht so stark aktiviert sein, dass der Patient dadurch schwer erkrankt.

Aus diesem Grund werden die ersten Behandlungsschritte häufig stationär durchgeführt.

Wie läuft eine CAR-T-Zelltherapie ab?

Die CAR-T-Zelltherapie ist im Vergleich zu einer Behandlung mit bispezifischen Antikörpern deutlich aufwendiger. Der Grund dafür ist, dass es sich um eine personalisierte Therapie handelt. Für jeden Patienten werden aus den eigenen T-Zellen individuell CAR-T-Zellen hergestellt.

Nicht jedes Krankenhaus kann diese Behandlung durchführen. Deshalb ist zunächst die Überweisung an ein spezialisiertes CAR-T-Zell-Zentrum notwendig.

Frühzeitig prüfen, ob eine CAR-T-Zelltherapie infrage kommt

Nach bisherigen Erfahrungen sollte möglichst früh darüber nachgedacht werden, ob eine CAR-T-Zelltherapie für einen Patienten geeignet sein könnte. Idealerweise wird diese Möglichkeit bereits beim ersten Rückfall der Erkrankung geprüft.

In einem spezialisierten Zentrum erfolgen zunächst Untersuchungen und ein ausführliches Gespräch. Dabei wird geklärt, ob die Therapie medizinisch infrage kommt und ob der Patient diese Behandlung durchführen möchte.

Entnahme der T-Zellen

Ist eine CAR-T-Zelltherapie vorgesehen, müssen zunächst T-Zellen aus dem Blut des Patienten durch eine Blutwäsche, ähnlich wie bei einer Stammzellsammlung, gewonnen werden.

Anders als bei einer Stammzellsammlung müssen die T-Zellen vorher nicht erst mithilfe von Wachstumsfaktoren ins Blut gebracht werden. Sie befinden sich immer im Blut und können abgesammelt werden.

Herstellung der CAR-T-Zellen

Die gewonnenen T-Zellen werden anschließend in der Regel an den Hersteller geschickt. Einige akademische Zentren können CAR-T-Zellen auch selbst herstellen.

Die Zellen werden vermehrt und genetisch so verändert, dass sie das Myelom gezielt erkennen können. Anschließend erfolgen umfangreiche Qualitätskontrollen. Dabei wird unter anderem geprüft, ob ausreichend viele Zellen vorhanden sind, ob die Veränderung erfolgreich war und ob die Zellen die gewünschte Aktivität besitzen.

Erst nach Abschluss dieser Kontrollen werden die fertigen CAR-T-Zellen an das behandelnde Zentrum zurückgeschickt.

Überbrückende Behandlung bis zur CAR-T-Zelltherapie

Die Herstellung der CAR-T-Zellen benötigt Zeit. In dieser Phase befinden sich die Patienten normalerweise wieder in der Betreuung ihres behandelnden Onkologen.

Häufig wird eine sogenannte überbrückende Therapie durchgeführt. Ihr Ziel ist es, das Multiple Myelom bis zur Gabe der CAR-T-Zellen unter Kontrolle zu halten und idealerweise möglichst deutlich zurückzudrängen.

CAR-T-Zellen besser wirken und verursachen gleichzeitig weniger Nebenwirkungen, wenn zum Zeitpunkt ihrer Gabe möglichst wenig Myelom vorhanden ist.

Vorbereitung im Krankenhaus

Sind die CAR-T-Zellen fertiggestellt, kommt der Patient wieder in das spezialisierte Zentrum. Zunächst werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt, um unter anderem die Funktion wichtiger Organe zu überprüfen.

An den meisten Zentren erfolgt anschließend eine stationäre Aufnahme. Vor der eigentlichen CAR-T-Zellgabe wird eine vorbereitende Chemotherapie durchgeführt. Danach folgen einige Tage Pause. Anschließend werden die CAR-T-Zellen als Infusion verabreicht. Die übertragenen CAR-T-Zellen sollen sich nun im Körper vermehren, die Myelomzellen erkennen und angreifen.

Welche Nebenwirkungen können nach einer CAR-T-Zelltherapie auftreten?

Die besonders intensive Überwachungsphase nach der CAR-T-Zellgabe dauert etwa zwei Wochen. In dieser Zeit wird vor allem auf drei mögliche Probleme geachtet: den Zytokinsturm, neurologische Nebenwirkungen und Infektionen.

Fieber und Zytokinsturm

Mit Fieber wird nach einer CAR-T-Zelltherapie häufig gerechnet. Die meisten Patienten erleben eine entsprechende Immunreaktion. Sie entsteht dadurch, dass die CAR-T-Zellen aktiv werden und eine große Menge an Botenstoffen freisetzen. In den meisten Fällen ist diese Reaktion gut behandelbar.

Neurologische Nebenwirkungen

Nach einer CAR-T-Zelltherapie können außerdem neurologische Beschwerden auftreten. Diese können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein.

Manche Patienten wirken beispielsweise zeitweise verwirrt oder können sich nicht mehr sicher orientieren. Es kann vorkommen, dass sie nicht mehr genau wissen, in welcher Stadt sie sich befinden, oder Schwierigkeiten haben, sauber zu schreiben.

In schweren Fällen sind auch Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma möglich. Solche schweren Verläufe sind jedoch selten.

Diese neurologischen Reaktionen werden als effektorzellassoziiertes neurologisches Syndrom bezeichnet. Auch hierbei spielt die starke Aktivierung des Immunsystems eine wichtige Rolle. Bei Bedarf kann die Immunreaktion mit entsprechenden Medikamenten gedämpft werden. Die meisten Patienten entwickeln keine neurologischen Nebenwirkungen. Treten sie auf, bilden sie sich im Regelfall wieder zurück.

Sehr seltene neurologische Spättoxizität

Neben den akuten neurologischen Reaktionen wurden auch sehr seltene neurologische Spätfolgen beobachtet, eine Art Parkinson-Symptomatik. Diese Nebenwirkung ist außerordentlich selten aber schwerwiegend.

Trotz ihrer Seltenheit ist es wichtig, dass Patienten auch langfristig die Möglichkeit haben, bei ungewöhnlichen neurologischen Beschwerden wieder Kontakt zu ihrem CAR-T-Zentrum aufzunehmen.

Infektionen nach CAR-T-Zelltherapie

Ein wesentliches Thema nach einer CAR-T-Zelltherapie sind Infektionen. Bereits die vorbereitende Chemotherapie kann dazu führen, dass die Zahl bestimmter Blutzellen vorübergehend deutlich absinkt. Dadurch können Infektionen entstehen.

Das erhöhte Infektionsrisiko kann deutlich länger bestehen als die anderen unmittelbaren Nebenwirkungen. Während Zytokinsturm und akute neurologische Reaktionen normalerweise vor allem in der ersten Zeit nach der Behandlung auftreten, kann die erhöhte Infektanfälligkeit noch über viele Monate anhalten.

Was passiert nach der Entlassung aus dem Zentrum?

Nach der engmaschigen Überwachungsphase können die meisten Patienten wieder nach Hause.

In der ersten Zeit sind weiterhin regelmäßige Kontrollen im spezialisierten Zentrum erforderlich. Ein Zytokinsturm ist dann normalerweise nicht mehr zu erwarten. Auch die typischen akuten neurologischen Reaktionen treten nach dieser Phase in der Regel nicht mehr neu auf.

Langfristig steht insbesondere der Schutz vor Infektionen im Vordergrund. Ein wesentlicher Vorteil der CAR-T-Zelltherapie ist, dass sie grundsätzlich als einmalige Therapie gegeben wird. Patienten, die zuvor häufig über lange Zeit kontinuierlich Medikamente gegen das Multiple Myelom erhalten haben, können danach eine längere therapiefreie Phase erleben.

Wie läuft eine Behandlung mit bispezifischen Antikörpern ab?

Im Gegensatz zur CAR-T-Zelltherapie müssen bispezifische Antikörper nicht individuell für einen Patienten hergestellt werden. Sie können als fertiges Medikament zur Verfügung gestellt werden. Deshalb kann die Therapie wesentlich schneller begonnen werden. Die Behandlung startet allerdings nicht sofort mit der vollen Dosis.

Schrittweise Eindosierung

Zu Beginn erhalten die Patienten zunächst eine deutlich geringere Dosis. Einige Tage später wird eine höhere Dosis gegeben. Dieser Vorgang wird so lange wiederholt, bis die vorgesehene Zieldosis erreicht ist.

Diese schrittweise Steigerung wird auch als Step-up-Dosierung bezeichnet. Der Grund dafür liegt ebenfalls in der Aktivierung des Immunsystems. Auch bispezifische Antikörper können sehr schnell eine starke Reaktion der Abwehrzellen gegen das Myelom auslösen. Dadurch kann es zu Fieber und einem Zytokinsturm kommen.

An vielen Zentren wird deshalb zumindest die Eindosierungsphase stationär durchgeführt. Es gibt auch Ansätze, die Therapie ambulant zu beginnen, wenn eine sehr engmaschige Überwachung gewährleistet werden kann.

Die Dosierung kann an die Reaktion angepasst werden

Ein Vorteil der schrittweisen Eindosierung besteht darin, dass die nächste Dosis bei Bedarf verschoben werden kann. Entwickelt ein Patient beispielsweise hohes Fieber, kann zunächst abgewartet werden, bis die Immunreaktion wieder abgeklungen ist. Erst anschließend wird die nächste Dosis gegeben.

Dadurch lässt sich die Behandlung in der Anfangsphase individuell steuern. Dies kann insbesondere bei Patienten mit zusätzlichen Erkrankungen wichtig sein, beispielsweise bei einer schweren Herzerkrankung.

Wie geht die Behandlung mit bispezifischen Antikörpern weiter?

Ist die Zieldosis erreicht und die erste kritische Phase abgeschlossen, kann die weitere Therapie ambulant erfolgen. Bispezifische Antikörper sind zunächst als Dauertherapie vorgesehen. Die Abstände zwischen den einzelnen Behandlungen können im Verlauf jedoch verlängert werden. Während der Eindosierung liegen zwischen den einzelnen Gaben meist nur einige Tage. Danach können zunächst wöchentliche oder zweiwöchentliche Abstände folgen. Später können die Behandlungsintervalle teilweise bis auf monatliche Gaben ausgedehnt werden. Dadurch müssen Patienten im weiteren Verlauf nicht mehr so häufig zur Behandlung kommen.

Wie werden bispezifische Antikörper verabreicht?

Die meisten bispezifischen Antikörper werden als Spritze unter die Haut, also subkutan, gegeben. Es gibt auch Präparate, die als Infusion verabreicht werden. Tabletten stehen für diese Therapieform noch nicht zur Verfügung.

Die Behandlung muss durch den behandelnden Onkologen erfolgen. Auch wenn die eigentliche Injektion technisch unkompliziert erscheint, handelt es sich um eine onkologische Behandlung, bei der mögliche Nebenwirkungen und insbesondere Infektionen berücksichtigt werden müssen.

Nebenwirkungen bei bispezifischen Antikörpern

Auch bei bispezifischen Antikörpern können Fieber und ein Zytokinsturm auftreten. Diese Reaktionen sind insbesondere während der Eindosierungsphase zu erwarten.

Das stark aktivierte Immunsystem kann vorübergehend auch neurologische Beschwerden verursachen. Sie entstehen nach demselben Grundprinzip wie bei der CAR-T-Zelltherapie. Im Regelfall sind diese Reaktionen vollständig reversibel. Bei Bedarf kann die Immunreaktion medikamentös gebremst werden.

Infektionen als wichtiges langfristiges Problem

Eine der wichtigsten längerfristigen Nebenwirkungen der bispezifischen Antikörper ist die erhöhte Anfälligkeit für Infektionen.

Die Therapie richtet sich sehr effektiv gegen Plasmazellen, aus denen das Multiple Myelom hervorgeht. Dadurch kann allerdings auch die normale Bildung gesunder Antikörper beeinträchtigt werden.

Patienten benötigen deshalb Schutzmaßnahmen gegen bestimmte Infektionen. Viele erhalten zusätzlich Immunglobuline als Infusion. Dabei werden gesunde Antikörper zugeführt.

Wichtig ist außerdem ein enger Kontakt zum behandelnden Onkologen. Bei Zeichen einer Infektion sollten sich Patienten frühzeitig bei ihrem Behandlungsteam melden.

Übelkeit, Haarausfall und Fatigue: Was ist bei den neuen Immuntherapien zu erwarten?

Viele Patienten kennen typische Nebenwirkungen älterer Krebstherapien und fragen sich, ob diese auch bei CAR-T-Zellen oder bispezifischen Antikörpern auftreten.

Übelkeit

Übelkeit gehört nicht zu den typischen unmittelbaren Nebenwirkungen dieser Immuntherapien.

Bei einer CAR-T-Zelltherapie wird allerdings vor der eigentlichen Zellgabe eine vorbereitende Chemotherapie durchgeführt. Diese kann grundsätzlich Übelkeit verursachen. Aufgrund der verwendeten Dosierungen stellt dies jedoch meist kein wesentliches Problem dar.

Haarausfall

Ein typischer Haarausfall ist bei CAR-T-Zellen und bispezifischen Antikörpern nicht zu erwarten.

Erschöpfung und Fatigue

Schwäche, Erschöpfung und Fatigue können dagegen auch bei diesen Therapien auftreten. Gleichzeitig verursacht das Multiple Myelom selbst häufig erhebliche Beschwerden und Einschränkungen. Wenn die neuen Therapien die Erkrankung sehr wirksam zurückdrängen, kann sich dadurch die Lebensqualität deutlich verbessern.

Die Therapien können also einerseits Fatigue verursachen, andererseits können Patienten durch die bessere Kontrolle des Myeloms insgesamt deutlich an Lebensqualität gewinnen.

Polyneuropathie und langfristige neurologische Beschwerden

Eine klassische Polyneuropathie mit Kribbeln oder Missempfindungen an Händen und Füßen, wie man sie zum Beispiel unter Proteasom-Inhibitoren sehen kann, wird bei CAR-T-Zellen und bispezifischen Antikörpern wesentlich seltener beobachtet.

Es gibt Berichte über andere seltene Nervenstörungen. Beispielsweise kann vorübergehend eine Lähmung eines Gesichtsnervs auftreten.

Auch ein länger anhaltendes Gefühl von „Brain Fog“, also geistiger Benommenheit oder eingeschränkter Konzentrationsfähigkeit, steht langfristig nicht bei den meisten Patienten im Vordergrund. Vielen Patienten geht es auf längere Sicht sehr gut und sie können vollständig in ihren Alltag zurückkehren.

Leben nach CAR-T-Zellen und unter bispezifischen Antikörpern

Gerade nach der CAR-T-Zelltherapie kann die therapiefreie Zeit für viele Patienten eine besondere Bedeutung haben.

Menschen mit Multiplem Myelom sind häufig daran gewöhnt, über längere Zeit kontinuierlich Medikamente einzunehmen oder regelmäßig Therapien zu erhalten. Diese Behandlungen bringen jeweils eigene Nebenwirkungen mit sich.

Nach einer erfolgreichen CAR-T-Zelltherapie findet dagegen zunächst keine weitere Myelomtherapie statt. Zwar bleiben regelmäßige Kontrollen und Maßnahmen zum Infektionsschutz notwendig, die Patienten können aber für längere Zeit ohne kontinuierliche Krebstherapie leben.

Auch bei bispezifischen Antikörpern können die Behandlungsabstände im weiteren Verlauf so groß werden, dass zwischen den einzelnen Gaben längere therapiefreie Zeiträume liegen.

Ist eine Rückkehr in den Beruf möglich?

Auch jüngere Patienten im arbeitsfähigen Alter können nach diesen Behandlungen grundsätzlich wieder in ihren Beruf zurückkehren.

Wichtig bleibt insbesondere der Infektionsschutz. Patienten sollten die empfohlenen Schutzmedikamente einnehmen und bei einem Infekt frühzeitig reagieren.

Bei bispezifischen Antikörpern sind im späteren Behandlungsverlauf teilweise längere Abstände zwischen den Gaben möglich. Da auch die eigentliche Verabreichung nicht sehr lange dauert, kann die Therapie häufig mit einem normalen Arbeitsalltag vereinbart werden.

Bewegung und Sport

Sport und körperliche Aktivität sind grundsätzlich auch während und nach diesen Therapien möglich und erwünscht. Gerade beim Multiplen Myelom, bei dem auch die Knochen betroffen sein können, wird körperlicher Aktivität eine besondere Bedeutung zugeschrieben. Patienten können deshalb grundsätzlich auch unter der Behandlung beziehungsweise nach einer CAR-T-Zelltherapie körperlich aktiv sein.

Welche Belastung im Einzelfall möglich ist, hängt jedoch von der individuellen Situation ab.

Impfungen nach CAR-T-Zelltherapie und unter Immuntherapie

Impfungen sind ein wichtiger Bestandteil des Infektionsschutzes. Patienten wird beispielsweise eine Grippeimpfung empfohlen. Nach einer CAR-T-Zelltherapie sollten auch andere Impfungen erneut aufgefrischt werden und werden als wichtiger Teil des Infektionsschutzes aktiv empfohlen.

Eine wichtige Ausnahme sind Lebendimpfstoffe. Solange eine relevante Abwehrschwäche besteht, sollen diese nicht eingesetzt werden.

Ernährung: Was müssen Patienten beachten?

Die Empfehlungen zur Ernährung für abwehrgeschwächte Patienten sind heute weniger streng als früher. Es ist beispielsweise nicht notwendig, grundsätzlich alle Lebensmittel zu schälen oder sämtliche Nahrungsmittel vollständig durchzugaren. Auch Rohkost kann gegessen werden, wenn sie sorgfältig gewaschen wurde.

Bestimmte Lebensmittel mit einem erhöhten Infektionsrisiko sollten allerdings gemieden werden. Dazu gehören insbesondere:

  • roher Fisch,
  • rohe Eier,
  • rohe beziehungsweise nicht pasteurisierte Milch.

Bei diesen Lebensmitteln besteht ein erhöhtes Risiko, dass Krankheitserreger übertragen werden.

Was können Patienten von CAR-T-Zellen und bispezifischen Antikörpern erwarten?

Wie gut und wie lange eine Therapie wirkt, unterscheidet sich von Patient zu Patient. Eine Rolle spielen unter anderem die Zahl der bisherigen Behandlungen, das Ansprechen auf frühere Therapien und bestimmte Hochrisiko-Merkmale der Erkrankung.

Grundsätzlich wird bei beiden neuen Immuntherapien häufig ein Ansprechen erwartet.

Nach einer CAR-T-Zelltherapie kann bei fast allen Patienten zunächst eine Verbesserung der Erkrankung erzielt werden. Auch bei den bispezifischen Antikörpern spricht die überwiegende Mehrzahl der Patienten zunächst auf die Behandlung an.

Entscheidend ist jedoch nicht nur, ob die Therapie wirkt, sondern auch, wie tief dieses Ansprechen ist.

Je tiefer das Ansprechen, desto länger kann es anhalten

Bei den neuen Immuntherapien scheint ein sehr tiefes Ansprechen besonders wichtig zu sein. Wird eine vollständige Remission erreicht, kann die Wirkung sehr lange anhalten. Bei einem lediglich teilweisen Ansprechen ist die Dauer der Krankheitskontrolle häufig kürzer.

Damit unterscheiden sich die neuen Immuntherapien zum Teil von früheren Behandlungen, bei denen auch ein langanhaltendes Teilansprechen bereits ein gutes Ergebnis darstellen konnte.

Warum sprechen manche Patienten besser auf die Therapie an als andere?

Es wird weiterhin intensiv untersucht, warum einzelne Patienten sehr tief auf diese Behandlungen ansprechen und andere weniger stark.

Ein wichtiger Faktor scheint der Zeitpunkt der Therapie zu sein. Ein früherer Einsatz kann von Vorteil sein, weil das Immunsystem zu diesem Zeitpunkt möglicherweise noch leistungsfähiger ist.

Bei der CAR-T-Zelltherapie spielt außerdem die Menge der noch vorhandenen Myelomzellen eine wichtige Rolle.

Je weniger Myelom vor der CAR-T-Zellgabe vorhanden ist, desto leichter können die übertragenen CAR-T-Zellen offenbar ihre Aufgabe erfüllen. Deshalb wird versucht, die Erkrankung bereits mit der überbrückenden Therapie möglichst weit zurückzudrängen.

Wie lange können CAR-T-Zellen und bispezifische Antikörper wirken?

Nach einer CAR-T-Zelltherapie kann ein Ansprechen über viele Jahre anhalten.

Bei bispezifischen Antikörpern als alleiniger Therapie wird eine durchschnittliche Dauer von ungefähr einem guten Jahr genannt. Die Unterschiede zwischen einzelnen Patienten sind jedoch sehr groß. Bei einem besonders tiefen Ansprechen kann die Wirkung deutlich länger anhalten.

Neue Studien untersuchen außerdem Kombinationen von bispezifischen Antikörpern mit anderen Medikamenten. Dabei werden bessere Ergebnisse beobachtet. Auch ein früherer Einsatz der bispezifischen Antikörper scheint mit besseren Ergebnissen verbunden zu sein.

Ist das Multiple Myelom mit den neuen Therapien heilbar?

Ob CAR-T-Zellen das Multiple Myelom bei einem Teil der Patienten dauerhaft heilen können, lässt sich derzeit noch nicht sicher beantworten. Es gibt Daten über fünf Jahre: Bei etwa einem Drittel der behandelten Patienten war das Myelom zu diesem Zeitpunkt noch nicht wieder aufgetreten. Ob dies auch nach zehn Jahren noch der Fall sein wird, ist derzeit nicht bekannt.

In diesem Zusammenhang wird teilweise von einer „funktionellen Heilung“ gesprochen. Damit ist gemeint, dass das Multiple Myelom für den Rest des natürlichen Lebens eines Patienten nicht mehr zurückkehrt. Ob die Erkrankung biologisch tatsächlich für immer beseitigt wurde, lässt sich dabei möglicherweise nicht sicher feststellen. Für den betroffenen Patienten kann eine über die gesamte verbleibende Lebenszeit anhaltende Krankheitsfreiheit jedoch praktisch einer Heilung entsprechen.

Wie realistisch eine solche Situation ist, hängt auch vom Alter des Patienten ab. Bei einem älteren Menschen muss eine Therapie über einen deutlich kürzeren Zeitraum wirksam bleiben als bei einem sehr jungen Patienten, der möglicherweise noch viele Jahrzehnte vor sich hat.

Die Entwicklung der Immuntherapien geht weiter

CAR-T-Zellen und bispezifische Antikörper haben die Behandlungsmöglichkeiten beim Multiplen Myelom deutlich erweitert.

In Studien werden diese Therapien zunehmend früher im Krankheitsverlauf eingesetzt. Dabei werden sehr gute Ergebnisse beobachtet.

Gleichzeitig wird an weiteren Verbesserungen gearbeitet. Untersucht werden beispielsweise Kombinationen mit anderen Medikamenten, bispezifische und trispezifische Antikörper sowie sogenannte Dual-CARs. Dabei sollen CAR-T-Zellen gegen mehr als ein Oberflächeneiweiß gerichtet werden.

Die Entwicklung auf diesem Gebiet verläuft schnell. Dadurch könnten sich die Möglichkeiten zur Behandlung des Multiplen Myeloms in den kommenden Jahren weiter verändern und verbessern.

Logo der Strube Stiftung

Ein Projekt der Strube Stiftung

© Strube Stiftung | 2024