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Krebsprävention – Just do it!

Man kann das Risiko, an Krebs zu erkranken, deutlich reduzieren. Aber wie viel Rauchen ist noch okay? Und wie viel Alkohol? Und Wurst ist jetzt auch noch ein Thema? Einige überraschende Antworten sehen Sie dazu in unserem Video mit Herrn Professor Kopp.

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Was bedeutet Prävention?

Prävention kann in drei Stufen unterteilt werden. Bei der Primärprävention geht es darum, Krankheiten zu vermeiden bevor sie entstehen. Das ist die Urdefinition von Prävention.

Bei der Sekundärprävention ist Früherkennung gemeint, da die Krankheit oder Vorstufen bereits da sind. Die meisten Vorsorgemaßnahmen sind in Wirklichkeit Früherkennungsmaßnahmen. Mit der Mammographie will man z. B. Brustkrebsvorstufen oder kleine Brustkrebse entdecken. Auch die Koloskopie ist ein gutes Beispiel: Mit der Darmspiegelung werden Polypen erkannt, aus denen im Laufe der Zeit ein echtes Kolonkarzinom entstehen würde.

Die Tertiärprävention ist Teil der Nachsorge. Nach einer überstandenen Tumorerkrankung soll nicht nur ein möglicher Rückfall rechtzeitig erkannt werden, es geht auch darum, eine eventuelle Zweitkrebserkrankungen zu erkennen. Zudem sollen Probleme, die mit der Therapie zusammenhängen, frühzeitig erkannt werden.

Geht ein bisschen rauchen?

Beim Rauchen ist null Toleranz die einzige Reaktion, die adäquat ist. Jede Zigarette ist eine zu viel. Auch die E-Zigarette ist keine Lösung. Allenfalls für Raucher, die es nach vielen Versuchen absolut nicht schaffen aufzuhören. Aber sonst gilt: Nicht beginnen, auch nicht mit der E-Zigarette. Das kann eine Art von Einstiegsverhalten sein. Shisha rauchen ist auch nicht gesund. Viele Toxikologen die sagen, dass ein Abend in der Shisha Bar wie vier Schachteln Zigaretten inhalieren ist. Also sehr schädlich und nicht empfehlenswert. Wenn man noch nicht angefangen hat, sollte man es unbedingt sein lassen.

Was ist mit Alkohol?

Da gibt es die Meinung, dass Rotwein sogar gesund wäre? Aus onkologischer Sicht kommt man immer mehr zu dem Schluss, dass Alkohol bereits in geringen Mengen ein Risiko mit sich bringt. Deshalb gilt hier momentan die Meinung: So wenig wie möglich.

Bild auf dem eine Frau eine Zigarette raucht und Alkohol trinkt

Bei der Lunge ist bekannt, dass Rauchen und Lungenkrebs zusammengehören. Wo wirkt sich Alkohol negativ aus?

Beim Alkohol ist es schwierig, da es sich hier um Assoziationsstudien handelt. Wird z. B. der Einfluss von Ernährung studiert, wird mit einer großen Fragebogenstudie in Wirklichkeit nur ein kleiner Teil des Lebensstils einer Person geprüft. Schaut man nach, ob vegetarische Ernährung mit weniger Krebsdiagnosen in Zusammenhang steht als nicht-vegetarische Ernährung ohne andere Faktoren zu berücksichtigen, kommt man sicher zu dem Ergebnis: Ja, Vegetarismus ist gut. Aber warum? Weil andere Faktoren unberücksichtigt geblieben sind. Vegetarier rauchen mit geringerer Wahrscheinlichkeit, sie essen mit geringerer Wahrscheinlichkeit stark verarbeitetes Essen oder Fast-Food, sie bewegen sich mit höherer Wahrscheinlichkeit und sind mit geringerer Wahrscheinlichkeit übergewichtig. Das sind eine ganze Reihe an Faktoren, die mit dem abgefragten Faktor Vegetarismus nur zum Teil zu tun haben. Und das muss berücksichtigt werden, wenn es um diese Lebensstilfragen geht. Das ist sehr schwierig zu fassen. Man versucht es, aber spricht heute deshalb immer von Lebensstilintervention.

Adipositas: Was hat die Körperfülle mit Krebs zu tun?

Fettgewebe ist hormonell aktiv und produziert eine ganze Reihe an Wachstumsfaktoren, die heute unter dem Überbegriff Adipokine zusammengefasst werden. Bei Frauen und bei Männern produziert Fettgewebe auch Östrogen. Deshalb ist ein hoher Körperfettanteil mit der Häufigkeit zum Beispiel von Brustkrebs in Zusammenhang zu bringen. Das ist wahrscheinlich der Hauptgrund, weshalb eine erhöhte Körperfettmasse für viele Tumorerkrankungen prädisponiert ist.

Bild einer übergewichtigen Frau die auf dem Sofa sitzt, isst und am Handy liest

Fehlernährung

Zucker und Fette sind eigentlich nicht giftig aber das gilt immer mit vielen Einschränkungen. Es geht immer um den Lebensstil. Der wichtigste Zusammenhang ist tatsächlich mit der Fettleibigkeit. Ein Krebs-Epidemiologen würde sagen: Bei Wurst ist es so ähnlich wie mit Zigaretten. Ab mehr als null Gramm Wurst pro Woche geht die Fehlernährung schon los, da jede Menge verarbeitetes Zeug, ein hoher Fettgehalt, viel Salz und Natrium enthalten sind. Und jeder dieser einzelnen Faktoren ist in solchen epidemiologischen Studien mit einem erhöhten Auftreten von Krebserkrankungen assoziiert.

Wichtig ist: Je verarbeiteter, umso ungünstiger ist es für den Stoffwechsel, nicht nur für die Blutzuckerregulation, sondern auch für die (schlechte) Körperzusammensetzung. Viel Fett am Körper zu tragen, prädisponiert für Krebs. Das sind belegte Daten.

List die zeigt, was Fehlernährung bedeutet

Hier wird nochmal genau dargestellt, wie Fehlernährung definiert wird.

Fehlernährung beginnt hier bei über null Gramm Wurstwaren pro Woche. Das ist aber schon eine besondere Sichtweise. Oder mehr als sechs Gramm Salz pro Tag. Da essen wir wahrscheinlich fast alle mehr. Oder mehr als 500 Gramm rotes Fleisch pro Woche. Bei einem Vortrag vor Feuerwehrmännern hat einer gesagt: Das habe ich schon Montag morgens zum Frühstück…. Trotzdem sollte man seine Ernährung überdenken. Wahrscheinlich essen fast alle – außer den Vegetariern und Veganern – zu viel rotes Fleisch. Das sind überdenkenswerte Zusammenhänge.

Bewegungsmangel

Bild auf dem ein Mann mit einer Hantel unterhalb des Sofas liegt

Bewegung und gesunde Ernährung sind wichtig. Aber ist es nicht so, dass bei viel Bewegung die Muskeln häufiger eine Zellteilung durchmachen als bei wenig Bewegung?

Ähnlich wie beim Fett ist es auch bei den Muskeln. Muskeln sind endokrin aktiv, sie produzieren Botenstoffe, die man als Myokine zusammenfasst. Myokin bedeutet wörtlich übersetzt: Botenstoff, der aus der Muskulatur stammt. Und diese Botenstoffe sind gut. Sie sorgen zum Beispiel für eine erhöhte Insulinempfindlichkeit des Gewebes. Wenn ein insulinpflichtiger Diabetiker eine halbe Stunde stramm gelaufen ist, braucht er vor der nächsten Mahlzeit deutlich weniger Insulin.

Hyperinsulinismus – ein hoher Insulinspiegel ist ein typisches Problem unserer Ernährung. Dieser ist sehr eng mit der Auftretenswahrscheinlichkeit von Krebs assoziiert. Insulin ist ein ganz wichtiger Wachstumsfaktor.

UV-Bestrahlung

Bei Kindern ein wichtiges Thema. Die Anzahl der Sonnenbrände als Kind steht in engem Zusammenhang mit dem Risiko später an Hautkrebs zu erkranken.

Bild auf dem ein Kind einen schlimmen Sonnenbrand im Gesicht und am Körper hat

Aus Australien gibt es Studien, die zeigen, dass ein effektiver UV-Schutz mit Sonnenmilch wirkungsvoll die Häufigkeit von schwarzem Hautkrebs unterdrückt. Das hängt auch sehr stark vom Hauttyp ab. Viele Australier sind vom Hauttyp Nordeuropäer und deshalb kann man es dort ganz gut studieren.

Mittlerweile ist auch in der Bevölkerung bekannt, dass Solarien keine gesündere UV-Strahlung haben als das normale Sonnenlicht.

Viren

Gibt es inzwischen Impfungen, die tatsächlich gegen Krebs schützen?

Harald zur Hausen, Heidelberger Forscher, hat ja vor vielen Jahren als erster beschrieben: Gebärmutterhalskrebszellen enthalten das Genom in Erbinformation von humanen Papillomviren. Für diese grundlagenwissenschaftliche Entdeckung hat er einen Nobelpreis bekommen. Daraus hat sich eine sehr effektive Vorsorgemaßnahme entwickelt, nämlich die Impfung gegen HPV und diese besonders gefährlichen Virusvarianten, die gleichzeitig dazu führt, dass wir dann Gebärmutterhalskrebs kriegen.

Jetzt leben wir gerade in einer virenaktiven Zeit. Da stellt sich die Frage: Was muss der Virus für eine Charakteristik haben, damit er krebswirksam wird? Haben wir eventuell demnächst eine Krebsepidemie vor uns, weil wir jetzt fast alle SARS-CoV-2 in irgendeiner Form durchgemacht haben?

Viren sind wie trojanische Pferde, haben ein Stückchen Erbgut, meistens verpackt in einer kleinen Hülle und können dieses Erbgut in Zielzellen einschleusen und zwingen die Zielzelle das eigene Erbgut zu übersetzen in Proteine, neue Viruspartikel. Und manche dieser Viren, zum Beispiel diese humanen Papillomviren (es gibt auch andere Viren, ganze Virusfamilien) bekommt man nicht wieder los wenn man einmal damit infiziert ist. Aber nicht alle Virusfamilien und nicht jede Art von Viren sind mit Tumoren in Zusammenhang zu bringen. Die meisten Viren, mit denen wir in Kontakt kommen, die Schnupfenviren, die Viren, die obere respiratorische Infekte machen, die sind nicht als krebsauslösend berüchtigt. Auch bei den Corona Viren brauchen wir diese Angst nicht haben.

Smog

Ist Lungenkrebs die Ursache von Smog bei Patienten, die nie geraucht haben?

Es heißt, dass molekulare und pneumologische Onkologie kein Zufall ist. Lungenkrebs ist zu einer Art Modellerkrankung geworden. Wir unterscheiden den typischen Raucherlungenkrebs von dem Lungenkrebs mit Treibermutationen, wie er viel häufiger bei Menschen auftritt, die nie geraucht haben. Auch global gibt es diese epidemiologischen Unterschiede.

Dieser „Nie-Raucherlungenkrebs“ hat häufiger Mutationen in bestimmten Genen. Man kann entschlüsseln, wie er tatsächlich funktioniert und kann nach Schlüssel-Schloss-Prinzip zielgerichtet einwirken. Interessanterweise hat in Japan jede zweite betroffene Person eine solche Mutation. Bei uns sind es nur 10 bis 15% der Patienten mit sogenannten nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom, ohne dass wir es verstehen. Tatsache ist, dass es Nieraucher-Lungenkrebs gibt und wenn es keine Zigaretten gäbe, wäre es eine seltene Erkrankung, die wahrscheinlich in fast allen Fällen eine solche Treibermutation aufwiese.

Also wenn es keine Zigaretten und kein Smog gäbe, gäbe es diese Krankheit trotzdem.

Wichtig: Beim Bundesamt für Strahlenschutz gibt es sehr gute Onlinedaten zum Thema Radon. Radon ist ein in der Erde vorkommendes Isotop. In gasförmiger Phase eingeatmet, kann es tatsächlich Lungenkrebs verursachen. Und in manchen Gegenden in Deutschland ist das Radonvorkommen so hoch, dass Menschen, die in Erdgeschoss- oder Kellerwohnungen leben, unter Umständen viel in der Atemluft haben, da es aus der Erde kommt. Wenn man höher wohnt, hat man den Vorteil, dass es sich etwas verteilt hat. Zudem hat es mit der Boden Abdichtung zu tun. Darauf sollte man beim Hausbau achten.

Andererseits gibt es einen ganz klaren Zusammenhang mit Radon Exposition und Rauchen, denn die beiden Faktoren sind nicht nur additiv, sondern sie potenzieren sich.

Allgemeine Übersicht

Vor zwei Jahren wurde eine der besten Arbeiten der letzten Jahre publiziert. Sie stammt aus Heidelberg, aus dem DKFZ, dem Deutschen Ärzteblatt. Man hat für Deutschland viele Daten zusammengetragen und für jeden einzelnen dieser Faktoren versucht, ungefähr zu extrapolieren, wie viele Krebsfälle auf dieses einzelne sozusagen Fehlverhalten oder diesen einzelnen Faktor zurückzuführen sind. Aber es sind immer Annahmen (mathematische, biomathematische Modelle) dahinter.

Folie über vermeidbare Krebsursachen

Herrn Gredner und Herrn Brenner vom DKFZ haben in ihrer Arbeit versucht zu überlegen, wie viele Krebserkrankungen in Deutschland vermeidbar wären. Da ist ganz vorne auf dem ersten Platz weit abgeschlagen das Rauchen. Das spielt eine große Rolle. Aber hoher Alkoholkonsum ist auch für 2,2% zuständig.

Lohnt es sich noch nach einer Krebsdiagnose sein Leben umzukrempeln oder ist es da zu spät?

Eine gesunde Lebensweise führt dazu, dass man sich besser fühlt, egal in welcher Situation man ist. Für Brust- und Darmkrebs gibt es sehr gute Daten, die zeigen, dass Patientinnen, die Brustkrebs in einem heilbaren Stadium überlebt haben, ihr Rückfallrisiko wirklich senken können, wenn sie dafür sorgen, dass ihr Körperfettanteil nicht ansteigt.

Das ist vor allem beim hormonrezeptorpositiven Brustkrebs der Fall. Da gibt es umgekehrt sogar Hinweise aus Studien, dass gesteigerte Bewegung und Vermeidung von Gewichtszunahme, aktiv hilft das Rückfallrisiko zu senken. Die Kollegen, vor allem aus dem Reha-Bereich, sagen, dass ein gutes Sport- und Ernährungsprogramm möglicherweise fast so viel hilft wie eine adjuvante Chemotherapie beim Brustkrebs. Die Senkung des Rückfallrisikos ist es gerade für diese Erkrankung wirklich gut studiert. Bei anderen Erkrankungen, die nicht so häufig sind, lässt sich das schwieriger zeigen.

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